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Die VVS App

Wie bereits “angedroht”, habe mir die VVS App etwas näher angesehen. Leider geht dabei gleich zu Beginn der Ärger los. Nach dem Start der App kommt jedes einzelne Mal eine Message Box hoch in der auf den abgeschalteten Lokalisierungsdienst hingewiesen wird (natürlich nur sofern dieser tatsächlich abgeschaltet wurde). Dies ist völlig unnötig und nervt gewaltig.

Ich könnte ja verstehen, wenn die Box hin und wieder mal hochkommt. Aber sie bei jedem Start zu bringen, ist eine völlige Fehleinschätzung der Wichtigkeit des Lokalisierungsdienstes für den Anwender. Für mich persönlich ist dieser einzelne Schwachpunkt so gravierend, da ich die App nicht regelmäßig verwenden würde solange dieses Verhalten nicht geändert wird.

Ortungsdienst

Die Eingabe von Start- und Zielort kann auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen:

  1. Eingabe mittels Keyboard. Hierzu muss an das Eingabefeld antippen und erhält das übliche On-Screen Keyboard. Nach Teileingaben kann eine Suche des Ortes erfolgen.

    Dies funktioniert auch einigermaßen präzise und ist nicht auf die Namen der Haltestellen begrenzt, d.h. Straßennamen und POI werden genauso gefunden. Die Suchfunktion ist angemessen schnell, d.h. nach meiner Erfahrung entstehen keine größeren Wartezeiten.

  2. Eingabe per Netzplan, Karte, oder POI. Bei der Eingabe per Netzplan erscheint der Netzplan der VVS, auf dem man durch Antippen von Haltestellen den Start- oder Zielort identifizieren kann.

    Dabei ist nicht die Beschriftung der Haltestelle maßgeblich, sondern die viel kleinere (und deshalb schwerer zu treffende) “Querlinie” der Haltestelle im Netzplan selbst. Das muss man erst einmal herausfinden, selbsterklärend ist das jedenfalls nicht gerade.

    Ein Treffer wird durch ein Pop-Up des Namens der Haltestelle markiert. Antippen des Pop-Ups bestätigt die Auswahl.Der Netzplan enthält außerdem nur die Haltestellen der R-, S- und U-Bahnen. Die Haltestellen der Buslinien sind damit nicht verfügbar. Das ist natürlich in gewisser Weise nachvollziehbar, andernfalls würde die Grafik sehr unübersichtlich ausfallen und der Nutzwert nicht unbedingt gesteigert.

    Die Eingabe per Karte wird durch die initiale Skalierung der Kartendarstellung nicht gerade erleichtert. Bis man sich aus der gefühlt geostationären Umlaufbahn zu dem Zielpunkt auf Straßenniveau hingezoomt hat, können schon einmal leicht ein bis zwei Minuten vergehen. Per Keyboard wäre man im Zweifelsfall schneller.

    Warum macht man hier nicht einen Kompromiss und stellt die initiale Skalierung (um bei dem Bild zu bleiben) auf die Höhe der Umlaufbahn der ISS ein? immerhin wird die initiale Skalierung jedes Mal angezeigt, wenn zur Kartenansicht gewechselt wird, d.h. die Ansicht merkt sich nicht die zuletzt verwendete Skalierung.

    Bei Auswahl der POI-Eingabe erscheint eine strukturierte Liste, deren Einträge man aufklappen kann und sich so durch Eingrenzung der Suchkriterien zu dem gewünschten Ort hinbewegt. Auf der letzten Detailebene kann die Liste allerdings immer noch sehr lang sein, ist aber immerhin alfabetisch sortiert. Ein Suchfilter wäre im Zweifelsfall hilfreich.

Hat man nun Start- und Zielort erfolgreich eingekreist, kann man mit bekannten iPhone-Bordmitteln die Zeitvorgaben einstellen und festlegen, ob man die Auskunft für die Abfahrts- oder die Ankunftszeit benötigt.

Die Fahrplanauskunft ist übersichtlich und (Pluspunkt!) zeigt die Fahrtkosten mit an. Die einzelnen Fahrmöglichkeiten lassen sich auf Wunsch noch etwas detaillierter darstellen. In dieser Ansicht werden die verwendeten Linien und Umsteigepunkte angezeigt. Eine Kartendarstellung der Haltestellen ist ebenfalls bei Bedarf verfügbar. Das entspricht in etwa dem Funktionsumfang der VVS Homepage und wird natürlich gerne angenommen.

In der Ansicht “Verbindungen” gibt es eine Kategorie “Favoriten”, deren Verwendung sich nicht ohne Weiteres erschließt. Mir ist es jedenfalls auch nach einigem Herumprobieren leider nicht gelungen, Favoriten einzustellen und/oder zu verwalten.

Eine irgendwie geartete Hilfefunktion in der man dieses Thema nachschlagen könnte scheint es nicht zu geben und der “Support”-Link in iTunes führt zur Homepage des VVS, die nun wirklich Vieles, aber leider keinen Support für die App bietet. Der Hyperlink zum Hersteller in iTunes endet im Nichts. Aber da der Hersteller namentlich genannt ist, findet sich schnell dessen Homepage. Hilfe gibt es aber auch da nicht.

Ein an sich durchaus begrüßenswertes Feature ist die Anzeige von Fahrplanänderungen und Störungsmeldungen. Leider gibt es scheinbar keine Möglichkeit, die ungelesenen Einträge mit einem Handgriff als gelesen zu markieren.

Falls man die App eine Weile nicht verwendet hat, erscheint ein lange Liste von Fahrplanänderungen, die man möglicherweise gerne “abhaken” möchte. Es bleibt aber - zumindest nach meinen bisherigen Erkenntnissen - nichts Anderes übrig, als die Einträge einzeln anzuzeigen und somit als gelesen zu markieren.

Ich formuliere die Bewertung dieses Aspekts absichtlich so vorsichtig, weil ich mir eigentlich nicht vorstellen kann, dass die Entwickler ein derartig offensichtlich nützliches Feature einfach so übersehen haben. Falls die Funktion allem Anschein zum Trotz dennoch vorhanden sein sollte, hat man sie jedenfalls gut versteckt.

Insgesamt gesehen würde ich der App die Bewertung *** geben. Der Funktionsumfang ist groß, aber die Bedienung zum Teil hakelig und unnötig kompliziert. Ich persönlich empfinde die Messagebox beim Start und die mysteriösen “Favoriten” als die größten Kritikpunkte. Beides wäre vermutlich mit wenig Aufwand zu beheben und würde meine Akzeptanz deutlich steigern.

Die Anzeige falscher Abfahrtszeiten (wie ein Reviewer in iTunes bemängelt) habe ich bisher nicht beobachtet. Soweit alles OK.

Die Eingabe per Netzplan, Karte oder POI mag in Einzelfällen sinnvoll sein, z.B. bei mangelnder Ortskenntnis. Ich bezweifele allerdings, dass ich in der täglichen Praxis davon Gebrauch machen würde. Weniger ist - nicht nur in diesem Fall - mehr.

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